Mittwoch, 10. Juli 2013

Rezension: Die Hutmacherin von Sarah Stonich

Titel: Die Hutmacherin
Originaltitel: These Granite Islands
Autor: Sarah Stonich
Verlag: List Verlag
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 1. September 2001
Seiten:
343

Inhaltsangabe:
Samt und Seide, Chintz und Tüll. Am Ende ihres Lebens erinnert sich die fast hundertjährige Isobel Howard an jenen schicksalhaften Sommer 1936. Hätte sie das Geschenk ihres Mannes, eine Insel, nicht zurückgewiesen, wäre sie nie der extravaganten Malerin Cathryn begegnet, die ihre Welt für immer verändern soll ...

Klappentext:

Kann es ein schöneres Geschenk geben als eine Insel? Die Hutmacherin Isobel hingegen ist bestürzt, als ihr Mann sie an Weihnachten damit überrascht. Hat er tatsächlich in all den Ehejahren ihre tiefe Angst vor Wasser nicht bemerkt? So kommt es, dass Victor im darauffolgenden Sommer mit den beiden Jungen allein die Ferien auf der abgelegenen Insel des Lake Cypress verbringt. In diesem Sommer wird nichts mehr so sein, wie es war. Von den Pflichten ihrer Familie entbunden, erfüllt sich Isobel ihren Traum und hängt über das Schild des Schneiderladens ihres Mannes ein neues: PUTZMACHEREI. Die Tage plätschern zunächst ruhig dahin, bis eines Tages eine elegante Dame den Laden betritt: Cathryn Malley, Frau eines Mineningenieuers und Malerin. Die Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein - die ruhige, etwas schüchterne Isobel mit ihren versagten Träumen, unkonventionell und selbstbewusst dagegen die Künstlerin, und dennoch ist es der Beginn einer innigen Freundschaft. Inspiriert von Cathryns Ideen, fertigt Isobel Hüte nach den neuesten Stilrichtungen. Bald schon locken die ausgefallenen Hutkreationen die Gäste an, die an dem idyllischen Ort am See die Sommermonate verbringen. Doch die scheinbar so geordnete Welt, in der Isobel lebt, gerät aus den Fugen. Nicht nur wird sich die Hutmacherin der tief in ihr schlummernden Talente bewusst, auch ihre Moralvorstellungen werden durch die Affäre der Freundin auf eine harte Probe gestellt, bis ein tragisches Ereignis das Band zwischen den Frauen jäh zerreißt ...

Erster Satz:
"Seite an Seite arbeiten sie die warmen Tage hindurch, und an den Abenden wandelten sie Arm in Arm durch die Außenbezirke der Stadt hinunter zum Seeufer, auf eine Weise, die unter Frauen heute nicht mehr üblich ist."

Meine Meinung:
Ein glücklicher Zufall brachte dieses Buch in meine Hände. Es wurde in meiner Bücherei aussortiert und von mir entdeckt und mitgenommen... Zum Glück! Denn es ist ein wundervolles und gefühlsintensives Buch, in dem zwei Frauen von den gesellschaftliches Prinzipien abweichen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen.
1999: Isobel Howard liegt im Krankenhaus und erinnert sich in Tagträumen und Halluzinationen an den Sommer '36 zurück. Sie erzählt, wie sie Cathryn kennenlernt und über ihre Eheprobleme mit ihrem Mann Victor, von dem sie vermutet, dass er sie betrügt und sich ihm deswegen verweigert. Als Victor mit den beiden Söhnen einen ganzen Sommer auf seiner Insel Abenteuer erlebt, bleibt Isobel mit ihrer Tochter zuhause und schneidert aus Langeweile Hüte für ihre spontan eröffnete Putzmacherei (dass man dort Hüte kaufen kann, wusste ich nicht). Dort begegnet sie Cathryn, die eigentlich in Cypress im Urlaub ist, ihr aber gerne hilft. So werden die beiden Freunde. Und wie es so unter Freunden ist, erkennt man, wenn es dem anderen nicht gut geht, und erzählt ihm/ihr Geheimnisse. So auch bei Cathryn und Isobel. Cathryn hat eine Affäre und Isobel soll ihr helfen, sie vor ihrem Mann geheim zuhalten. Dass das wohl nicht ganz klappt ist jedem klar...
Während Isobel ihre Erinnerungen erzählt sitzt nahezu jedes Mal ihr einzig lebender Sohn Thomas an ihrem Bett und hört ihr andächtig zu und versucht schlussendlich für seine Mutter als "letzten Wunsch" herauszufinden, was mit Cathryn nach diesem Sommer geschah.
Insgesamt ist diese Geschichte nicht allzu spannend, denn man kann sich ja denken, dass die Affäre nicht für immer geheim bleibt. Aber was dieses Buch so besonders macht sind die Beschreibungen, Gefühle und die Natürlichkeit. Es ist eine Geschichte, in der jeder mitspielen könnte, weil die Personen so menschlich sind. Isobels Angst unnd Zweifel an ihrem Mann und an der Affäre sind berechtigt und so wundervoll beschrieben. Cathryns verborgenen Gefühle bemerkt man nur beim genauen Lesen und ihre Liebe ist so toll, dass man sofort sie sein wollte, wenn sie nicht in der Zwickmühle wäre, dass sie eigentlich verheiratet wäre.
Dies alles rundet der klasse Schreibstil ab, der nichts übertreibt aber auch nichts zu ungenau oder oberflächlich belässt. Die Landschaft, die Personen, die Gefühle, alles wird so toll beschrieben, dass ich teilweise nicht mehr aufhören wollte zu lesen.

Fazit:
Eine unbeschreiblich tolle und ausdruckstarke Geschichte mit viel Gefühl.

Wertung:

1 Kommentar:

  1. Und schon ist das Buch auf meinen medimops Wunschzettel gelandet, denn ich konnte es neu auch nirgends mehr wo finden....
    Liebe Grüße
    Martina

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