Freitag, 31. Mai 2013

Rezension: Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing

Titel: Nathan der Weise
Autor: Gotthold Ephraim Lessing
Verlag: Cornelsen Verlag
Erscheinungsdatum: Erstausgabe 1779
Genre: Drama
Seiten: 96

Einführung:
Judentum, Christentum und Islam - die Angehörigen dieser drei Weltreligionen haben sich im Laufe der Geschichte zeitweise bis auf das Äußerste bekämpft. Während der Kreuzzüge vom 11. bis 13. Jahrhundert kämpften die Christen gegen die Moslems, im 16. und 17. Jahrhundert wollten die Osmanen Wien und damit das ganze Abendland erobern. Die Juden schließlich wurden bis in unsere Zeit Jahrhunderte hindurch unterdrückt und verfolgt, sie mussten als Sündenböcke für Seuchen, Naturkatastrophen und wirtschaftlichen Niedergang herhalten. - Zu diesem immer noch aktuellen Thema hat Lessing als aufgeklärter Mensch Stellung genommen. Für ihn ist wichtig, ob ein Mensch ein "guter" Mensch ist, und nicht, ob er von Geburt her Jude, Christ oder Moslem ist.
Ein guter Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er Gutes für seine Mitmenschen tut und gegenüber anderen Religionen tolerant ist. "Toleranz" bedeutet nicht, dass man fremde Meinungen richtig findet und übernimmt, sondern dass man sie respektiert, so wie Lessings Freund, der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (1729 - 1786), den Lessing in Berlin kennen lernte und der das Vorbild für seinen Nathan wurde.

Erster Satz:
"Daja: Er ist es!"

Meine Meinung:
Ja der liebe und tolerante Nathan war heuer unsere Schullektüre und ich war nicht mal soo abgeneigt, weil es ja doch eine bekannte Geschichte der deutschen Literatur ist. Und ich wollte natürlich auch herausfinden, warum Nathan als weise beschrieben wird (ich hatte mir vorher immer gedacht, dass er sozusagen ein alter Mann ist, der immer so rätselhafte Ratschläge gibt... und meine Vorstellung war doch nicht einmal soo falsch ;))
Das Buch spielt in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Alle drei großen Weltreligionen - Judentum, Christentun und Islam - sind vertreten und kämpfen um die Vorherrschaft. Hier lebt auch Nathan, der reiche und jüdische Händler, mit seiner Adoptivtochter Recha und seiner christlichen Angestellten Daja.
Während des Lesens erkennt man, dass eigentlich zwei Stränge nebeneinander laufen, der eine handelt um den Tempelherrn und Recha, der andere um den Sultan.
Als der Händler auf Geschäftsreise war, brannte sein Haus und seine Tochter wurde in letzter Sekunde von dem freigelassenen Tempelherrn Curd von Stauffen gerettet, den aber das schlechte Gewissen nagt, weil er als Kämpfer für das Christentum eine Jüdin gerettet hat. Nachdem Nathan zurückkehrt, will er sich natürlich bei diesem bedanken, wird jedoch abgewiesen. Durch einen Trick gelangt es ihm doch, dass der Tempelherr seine Recha, die nur noch vom ihrem Retter schwärmt, besucht und sich dann auch in sie verliebt. Natürlich werden auch hier wieder die inneren Konflikte mit der unterschiedlichen Religion deutlich.
Der Sultan, ein Moslem, der den Christen freigelassen hat, weil dieser ihn an seinen toten Bruder erinnert, hat Geldprobleme und möchten durch einen gemeinen Hinterhalt an Nathans Geld gelangen, indem er ihn nach der richtigen Religion befragt. Jedoch wäre Nathan nicht weise, wenn er hier nicht aus der Klemme käme und den Sultan zum denken anregt. Durch die bekannte Ringparabel.
Die beiden Stränge laufen am Ende zu einer Lösung zusammen, bei der die Charaktere allesamt glücklich, zufrieden und tolerant sind, ich selbst aber etwas träge fand... Warum? Das müsst ihr selbst lesen.
Leider kann ich jetzt nichts über den Schreibstil Lessings aussagen, da wir in der Schule eine bearbeitete Version gelesen haben und ich nur einen kleinen Einblick in das Original hatte, der mir auf den ersten Blick etwas schwerer aber nicht unmöglich verständlich vorkam.

Fazit:
Eine Lektüre, die zum Überdenken der eigenen Toleranz anregt und sich sehr gut für die Schule eignet.

Wertung:
 (speziell für Schullektüren)
 

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