Samstag, 2. Juni 2012

Interview mit Isabel Abedi

Wie ich euch schon angekündigt habe, habe ich ein Interview mit Frau Abedi "ergattert".

Copyright Boris Rostami Rabett
 Die Schriftstellerin Isabel Abedi wurde 1967 in München geboren. Nach ihrem Abitur lebte sie ein Jahr als Au-Pair-Mädchen und Praktikantin in einer Filmproduktion in Los Angeles. Danach ließ sie sich in Hamburg zur Werbetexterin ausbilden und arbeitete 13 Jahre lang in diesem Beruf. Inzwischen ist Isabel Abedi eine erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin. Ihr Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Einige ihrer bekanntesten Bücher sind die "Lola"-Reihe, sowie die die Jugendbücher "Whisper", "Imago", "Isola" und "Lucian".
Heute lebt Isabel Abedi mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Hamburg. Wer mehr über die Autorin erfahren will, hier ist ihre Website www.isabel-abedi.de.


Ich: Ich habe vor ca. einem Jahr Ihr Buch „Whisper" gelesen, und da dachte ich mir, wie kommen Sie immer auf so tolle Ideen?
Frau Abedi: Die Ideen kommen beim Fahrradfahren, in der Badewanne, und manchmal an Orten, die es schwierig machen. Die Idee zu einem meiner Jugendromane beispielsweise fiel mir  in der Würzburger Residenz auf den Kopf, ich musste mich dort auf die Steintreppen hocken und wie unter Diktat alles aufkritzeln. Die Idee hat mit der Würzburger Residenz nicht das Geringste zu tun, was zeigt, dass Ideen ein eigenes Leben haben. Ein bisschen so, als würde einem auf der New Yorker Brooklyn Brücke ein Amazonasschmetterling auf die Hand flattern. Ideen sind Wunder, die kann man nicht bestellen, aber man muss ihnen immer ein Türchen offen halten.

Ich: Erfinden Sie all Ihre Buchfiguren neu, oder "klauen" Sie auch Charakterzüge mancher Menschen um sich?
Frau Abedi: Eigentlich erfinde ich die meisten neu, aber dann werden sie doch wieder Cocktails aus Phantasie und reale Menschen. In "Whisper"  hat Katharina Thalis einige Eigenschaften der Schauspielerin Nina Petri, mit der ich gut befreundet bin. Zum Beispiel ihre Hände und ihren Sinn für Humor. Es steckt aber auch etwas von Katharina und etwas von Noa in mir.
Ich arbeite immer sehr lange an den Figuren, bis sie komplett in meinem Kopf ausgearbeitet sind, dann erst beginne ich mit dem Buch. Dort werden sie dann sozusagen lebendig wie bei Pinoccio und sie entscheiden selbst wo es lang geht.
Bei Noa und David – ebenfalls aus Whisper – hatte ich als optische Vorbilder auch Schauspieler. Das hat den Vorteil, dass man sie hemmungslos auf DVD mustern kann. Bei David war es Leonardo DiCaprio in dem Film „Marvins Töchter“.  Den hab ich mir in Slowmotion rauf und runter angesehen.
Bei Noa war es Juliette Lewis. Ich habe von ihr ein Foto, das auch auf meiner Website zu sehen ist. Da trägt sie nur einen Pullover und Unterwäsche, was ich für eine Szene in „Whisper“ verwendet habe. So entstehen die unterschiedlichen Situationen.


Ich: Wie sieht denn eigentlich Ihr Arbeitstag als Autorin aus?
Frau Abedi: Als meine Töchter noch jünger waren, musste ich sehr diszipliniert arbeiten, damit Mittags das Essen auf dem Tisch stand.
Mittlerweile kann ich meine Arbeitstage ausdehnen, aber meine kreativste Zeit ist immer noch der Vormittag. Ich schreibe, bis ich das Gefühl habe, dass mein Pensum für den Tag erfüllt ist. Nachmittags erledige ich Korrespondenz und Bürokram, danach gönne ich meinem Körper Bewegung und der Rest der Zeit gehört meiner Familie und meinen Freunden.
Im Prinzip ist mein Arbeitsalltag von außen betrachtet, also “stinknormal” :-)
Und eine schöne Abwechslung sind dann immer die Lese- und Recherchereisen oder die Buchmessen.


Ich: Wie fühlt es sich an, das erste Exemplar eines Ihrer neuen Bücher in den Händen zu halten?
Frau Abedi: Ein bisschen so wie das neugeborene Baby nach der Geburt frisch gewaschen und gebadet in den Händen zu halten. Es ist ein sehr schönes und bewegendes Gefühl, denn ab jetzt wird das Buch, in das man viel Zeit und Herzblut gesteckt hat, in die Welt entlassen und beginnt ein eigenes Leben ...  

Ich: Wenn ich richtig gelesen habe, wird es bald wieder ein neues Buch von Ihnen geben. Können Sie uns schon etwas darüber verraten?
Frau Abedi: Im Herbst 2012 zur Frankfurter Buchmesse erscheint erstmal die neue Lola. Worum es darin geht, zeigt dieser kleine Film, der auch einen Einblick in meine Schreibwelt und die Stadt in der ich lebe gibt: http://www.lola-club.de/news-1134_auf_den_spuren_von_lola.html
Nach meinem Sommer in Los Angeles tauche ich wieder in die Welt meines nächsten Jugendromans. Worum es darin geht, möchte ich noch nicht verraten. Aber wem meine anderen Jugendromane gefallen haben und wer Liebes- und Entwicklungsgeschichten mag, der wird hoffentlich auch den neuen Roman mögen.

Ich: Wann haben Sie angefangen, Geschichten zu schreiben?
Frau Abedi: Meine erste Geschichte schrieb ich mit zehn, sie hieß “Murkels gruseligster Geburtstag” und war ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter.
Erste Bilderbuchgeschichten und die Idee für meinen ersten Jugendroman entstanden als ich ungefähr 30 Jahre alt war.


Ich: Was machen Sie außer dem Schreiben sonst noch?
Frau Abedi: Lesen, reisen, kochen, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen – und weniger gern: den Haushalt im Griff halten.

Ich: Wie sind Sie zum Lesen gekommen und was war Ihr erstes Buch?
Frau Abedi: Ich komme aus einer Bücherfresserfamilie. Besonders mein Großvater und meine Mutter haben das Lesen geliebt und mich immer mit Geschichten versorgt. Zu meinen ersten und liebsten Büchern gehörten die Bände um Mary Poppins.

Ich: Was sind Ihre momentanen Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?
Frau Abedi: Zu meinen Lieblingsautorinnen zählt Barbra Vine, von der ich am liebsten die Romane Keine Nacht dir zu lang und Es scheint die Sonne noch so schön gelesen habe. Weitere Lieblingsbücher sind Der Außenseiter von Sadie Jones und Ein letzter Sommer von Steve Tesich.
Verliebt habe ich mich außerdem in die Romane von Theodor Fontane, allen voran Effie Briest.


Ich: Bevorzugen Sie eher dicke oder dünne, Hardcover oder Taschenbücher?
Frau Abedi: Ist diese Frage ernst gemeint? Ich bevorzuge Bücher, in denen Inhalte stehen, die mich interessieren und fesseln.
Allerdings kann ich sagen, dass ich  “echte” Bücher bevorzuge, die man in der Hand halten und haptisch umblättern kann. Die Ebook-Entwicklung finde ich gruselig.


Ich: Momentan werden viele Dystopien herausgebracht. Was halten Sie von diesem Genre?
Frau Abedi: Ich kann das nicht verallgemeinern. Es gibt Dystopien, die ich grottenlangweilig und schlecht geschrieben finde und es gibt Dystopien, die mich ungemein fesseln, wie zum Beispiel Panem, Clockwerk Orange oder Genesis.

Ich: Wenn Sie die Wahl hätten einen bestimmten Zeitraum in eine Buch- /Filmfigur zu schlüpfen, welche wäre das?
Frau Abedi: In die Figur von Wanja aus meinem Jugendroman Imago.

Ich: Sehen Sie gerne fern und was ist Ihr Lieblingsfilm / Ihre Lieblingsserie?
Frau Abedi: Lieblingsfilm: Rebecca. Lieblingsserie: Gilmore Girls

Ich: Beschreiben Sie sich in einem Satz.
Frau Abedi: Ich bin ein Mensch, der sich selbst nicht in einem Satz beschreiben kann.

Ich: Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
Frau Abedi: Guten-Morgen-Kaffee

Ich: Naschen Sie gerne, während sie lesen oder schreiben und wenn ja, was ist ihre Lieblingssüßigkeit?
Frau Abendi: Ich bin der salzige Typ. Meine Lieblingschips sind mit Salt&Vinegar Geschmack

Ich: Waren Sie früher gut in der Schule und was waren Ihre Lieblings- und Hassfächer?
Frau Abedi: Ich war immer gut in dem, was mich interessiert hat. Meine Lieblingsfächer waren Englisch und  Deutsch, mein Hassfach war Mathe.

Ich: Welchen Beruf wollten Sie als Kind immer werden?
Frau Abendi: Als Kind bin ich in meiner Phantasie mit Zirkusartisten im Wohnwagen durch die Welt gereist.

Ich: Haben Sie Haustiere und wenn ja, was macht sie so besonders?
Frau Abedi: Als Kind hatte ich Mäuse, Meerschweinchen, Hasen, Vögel und Katzen. Mein “besonderstes” Tier war mein Kater Schröder. Wer mehr über ihn wissen will, findet ihn in meinem ersten Jugendroman “Imago”.

Ich: Haben Sie irgendwelche komischen Angewohnheiten?
Frau Abedi: Das geht die Presse nichts an :-)

Ich: Wenn Sie eine Zeitreise übrig hätten, wo würden Sie hinreisen?
Frau Abedi: In die Kindheit meiner Großeltern.

Ich: Wollen Sie zum Schluss noch irgendetwas sagen?
Frau Abedi: Warum interessiert es eigentlich fast ALLE am ALLERMEISTEN, woher ein Schriftsteller seine Ideen herbekommt?
Das ist als würde man einen Schauspieler nach dem Theaterstück fragen: Wie schaffen Sie es nur, diesen ganzen Text auswendig zu lernen?
Eine Idee zu haben ist für das Schreiben eines Romans (in meinen Augen) nämlich der absolut unwesentlichste Teil.
Ein und dieselbe Idee kann – wie zahlreiche Beispiele zeigen – hervorragend oder grottenschlecht umgesetzt sein.
Worauf es beim Schreiben ankommt, ist: wie die Idee lebendig wird, wie man sie inszeniert und wie man es aushält ihr in guten und schlechten Zeiten die Treue zu halten.


Ich: Danke für das Interview und hier die Antwort auf Ihre Frage, es wird immer danach gefragt, weil die Ideen der breiten Masse (so sag ich jetzt mal) nicht gut genug für einen Bestseller sind.

Kommentare:

  1. OMG :D
    was soll man dazu sagen ?
    Du bist 15 und hast einen Blog das ist erstens keine Presse und zweitens beantwortet das doch jeder :o

    Ja, wieso wollen wir wohl alle wissen wo sie ihre Ideen her hat, wir wollen die Quelle klauen, nein natürlich nicht. Die ist mir auch unsympatisch geworden, bis jetzt noch nichts von ihr gelesen, bleibt auch so :)

    Deine Fragen waren wie immer toll.

    Frage 10 war von mir *-*

    Allerliebste Grüße ♥

    AntwortenLöschen
  2. Wow, ein Interview mit Frau Abedi :) Ich mag "Whisper" und "Isola" von ihr sehr gerne.

    Übrigens danke für deine Kommentare. Ja, Erebos fand ich super :)

    LG

    AntwortenLöschen
  3. Schönes Interview! :) "Imago" lese ich bald mal, das liegt nämlich noch auf meinem SuB :D

    AntwortenLöschen
  4. Hey du,

    das ist ein sehr gutes und interessantes Interview geworden. Gefällt mir. In einigen Antworten scheint mir ein etwas seltsamer Unterton mitzuschwingen, aber es ist ja auch immer einfach sowas in einem geschriebenen Text misszuverstehen wenn man den Ton dazu nicht wirklich hört.

    Warum die meisten Menschen gerne wissen würden woher Ideen kommen:
    Man lernt den Autor dann auf eine ganz neue Art kennen. Nicht umsonst ist es mittlerweile Trivia dass der erste Satz vom kleinen Hobbit jahrelang in einer Schublade lag bevor das Buch geschrieben wurde. Der Grund warum die meisten Menschen sich nicht für die langwierige und manchmal bestimmt auch langweilige Arbeit interessieren, die damit zusammenhängt an der Idee dranzubleiben, ist dass die meisten Menschen selbst genug von dieser Sorte Arbeit zuhause bleiben. Ideenfindung ist aber eher ein "magischer Prozess", wo einem die Idee eben einfach in der Würzburger Residenz auf den Kopf fällt. Also ich fand das spannend. Und da erklärt sich dann die Frage von selbst.

    Ich bin mal Leser geworden, hab allerdings eine Anmerkung zu deinem Blog: Es ist wahnsinnig schwer die Schrift zu lesen, ich musste fast bis zur Maximalgröße hochscrollen damit die Buchstaben nicht mehr ineinander übergehen. ich weiß das Blogspot viele Möglichkeiten für Schriften bietet und ich hab am Anfang auch viel damit herumgespielt. Aber ich hab dann schnell erkannt, dass die "Standardschriftart" doch die am Besten lesbare ist und deswegen auch von den meisten Bloggern verwendet wird. Vielleicht magst du die ja mal ausprobieren und schauen wie du damit zurechtkommst?

    Ansonsten: Toller Blog :)

    Ganz liebe Grüße,
    Mila

    AntwortenLöschen
  5. Huch? Ein seltsamer Unterton schwingt in meinen Antworten mit? Ich komme unsympathisch rüber? Na, das wollte ich natürlich nicht. Und damit mich niemand missversteht: ich finde diesen Blog auch super - und natürlich ist es nicht "die Presse".

    Das war auch nicht mein Anspruch! Gerade vor ein paar Monaten habe ich ein hinreißendes Interview für ein Radio Portrait einer fünften Klasse gegeben - und mache eigentlich keinen Unterschied zwischen "Profi-Journalisten" oder anderen. Und: FAST JEDER Profi Journalist stellt auch diese Frage: "Woher haben Sie eigentlich immer Ihre Ideen?"

    Tja. Vielleicht verrate ich hier ein "Geheimnis" über FAST ALLE Autoren und tue allen zukünftigen Journalisten (oder solchen, die es in Blogs sind oder werden wollen) einen Gefallen. Die Frage "wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Ideen" ist WIRKLICH für fast alle Autoren, die ich kenne, eine gewisse "Reizfrage". Vielleicht wäre es mal interessant die Frage zu stellen: "Warum ärgern sich Autoren, wenn sie gefragt werden, woher sie ihre Ideen bekommen?". Ich habe im Ansatz versucht, das im Interview zu erklären.

    Dass der erste Satz des Hobbits jahrelang in der Schublade des Autors lag, ist faszinierend - auch für mich! Aber er bezieht sich auf die Frage: wie wurde die Idee für dieses Buch entwickelt, wie fing mit dem Hobbit alles an, was war der erste Funke ...?

    Das ist dann weniger allgemein - und lässt sich deshalb auch spannender beantworten.
    Nicht mehr und nicht weniger wollte ich mit meiner Schlussfrage ausdrücken - und habe mich natürlich trotzdem über das Interview und viele interessante Fragen und vor allem über diese schöne Seite gefreut, für die ich Nathalie noch einmal beglückwünsche.

    Aber ich bitte auch um Verständnis darum, dass ich sehr persönliche Dinge wie "komische Angewohnheiten" ungern in die Öffentlichkeit tragen möchte. Vielleicht ist das ja eine komische Angewohnheit? Gerade heute hatte ich mal wieder eine "Gala" in den Händen, und dachte: OH MEIN GOTT! Es ist so schrecklich wie Stars ihr Intimleben vor der Öffentlichkeit ausbreiten.

    Wie auch immer: danke für das Interview liebe Nathalie und ich hoffe, es gibt noch ein paar deiner Gäste, die mich ein bisschen leiden können und Lust haben, meine Bücher zu lesen :-)

    AntwortenLöschen
  6. P.S. Noch eine Antwort von mir auf Nathalies letzten Satz zum Thema "Ideen": "Es wird immer danach gefragt, weil die Ideen der breiten Masse (so sag ich jetzt mal) nicht gut genug für einen Bestseller sind."
    Die Begründung kann ich gut verstehen, dennoch möchte ich sie gerne um meine persönliche Erfahrung ergänzen.

    Ich glaube, dass in vielen - und vielleicht sogar gerade - in den Ideen der "breiten Masse" (was ich gut ausgedrückt finde!) das Potential für einen Bestseller steckt. Gerade das macht ein Buch zum Bestseller: es enthält eine Idee, von der die breite Masse gefesselt ist. Deshalb spuken oft dieselben Ideen in den Köpfen vieler Schriftsteller herum, das ist dann kein "Klauen" sondern ein "Zeitgeist".

    Wozu ich alle, die gerne schreiben inspirieren möchte: Wenn ihr eine Idee habt, gebt sie nicht auf - sondern haltet zu ihr und schaut, wie ihr sie lebendig machen könnt.

    AntwortenLöschen
  7. Ganz ehrlich, ich kann verstehen, dass die manche Autoren auf die Frage mit den Ideen komisch reagieren, schließlich ist das echt eine Standartfrage. Ich find es viel schöner, Sachen rauszukitzeln, die die meisten vielleicht nicht fragen. Oder gezielter nach einer bestimmten Idee zu fragen. Manchmal möcht man ja auch lieber wissen wie eine bestimmte Stelle entstanden ist, warum ein bestimmter Ort gewählt wurde...

    AntwortenLöschen

Du bist in diesem Post eingetaucht und willst mir etwas dazu sagen? Dann leg los :)