Sonntag, 6. Mai 2012

Interview mit Kathleen Weise

Mein zweites Interview mit Kathleen Weise, der Autorin von "Blutrote Lilien", "Aschenputtels letzter Tanz" oder "Im Land des Voodoo-Mondes".



Kathleen Weise studierte am Detschen Literaturinstitut Leipzig, hat viele Jahre als Lektorin gearbeitet und ehrenamtlich Textwerkstätten für Jugendliche durchgeführt. Seit sie zum ersten Mal vom tragischen Schicksal der Königin Marie Antoinette gehört hat, interessiert sie sich für die Bourbonen-Könige, die Europa so schicksalhaft geprägt haben. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Leipzig.


Ich: Ich habe vor circa einem Jahr Ihr Buch "Blutrote Lilien" gelesen, und da dachte ich mir, wie kommen Sie immer auf so tolle Ideen?
Kathleen Weise: Autoren schreiben, weil sie schreiben müssen. Meistens über etwas, das sie beschäftigt und nicht wieder loslässt. In jedem Buch von mir gibt es also eine Grundidee, einen Kern, eine Aussage, eine Figur oder ein Problem, der/die/das mich fesselt und was ich gern literarisch bearbeiten will und muss. Bei den "Blutroten Lilien" war es das Problem der Religionsstreitigkeiten und die faszinierende Geschichte zwischen Charlotte de Montmorency und ... na, das darf hier nicht verraten werden, aber die Figuren beruhen ja zum Großteil auf realen Personen, und die Art und Weise, wie Charlotte und ihr zukünftiger Ehemann zueinander kommen, fand ich hoch spannend.

Ich: Wird es denn noch eine Fortsetzung zu diesem Buch geben?

Kathleen Weise: Das werde ich immer wieder gefragt, weil einige Leser sich nach dem Ende eine Fortsetzung wünschen. Das Buch war allerdings immer als Einzelroman geplant, da es mir um die Art ging, wie Charlotte und ihr zukünftiger Mann sich kennenlernen, nicht darum, wie sie heiraten und Kinder kriegen. Ich persönlich mag Enden, bei denen nicht alles rosarot gefärbt ist, da das nun mal im Leben selten passiert. Charlotte bekommt den Mann, den sie will, das ist für mich Happy End genug. An anderer Stelle habe ich schon erwähnt, dass ich vielleicht irgendwann mal eine Fortsetzungsgeschichte schreibe (nicht in Buchlänge), einfach so zum Spaß für die Leser, aber wann das sein wird, weiß ich noch nicht, ich arbeite ja gerade an anderen Projekten.

Ich: Wie sieht denn eigentlich Ihr Arbeitstag als Autorin aus?
Kathleen Weise: Einen festen Ablauf gibt es nicht, meistens ist es aber so, dass ich vormittags die organisatorischen Sachen erledige. E-Mails, Interviews, Leserbriefe beantworten, Vertragssachen regeln, Steuer etc. Danach wird geschrieben. Oft schreibe ich auch abends und nachts wie viele Autoren. Das hängt ja sehr vom individuellen Biorhytmus ab. Meine kreativste Zeit ist komischerweise zwischen 22 und 24 Uhr, keine Ahnung warum. Deswegen könnte ich auch nicht als Bäckerin arbeiten, die müssen ja oft schon um vier Uhr morgens wieder an die Arbeit, Respekt!


Ich: Wie fühlt es sich an, das erste Exemplar eines Ihrer neuen Bücher in den Händen zu halten?
Kathleen Weise: Natürlich ist es immer schön, endlich das gedruckte Buch in der Hand zu halten, man will ja dann irgendwann das Endprodukt all der Monate Mühe sehen. Aber meistens erscheinen die Bücher ja erst lange, lange Zeit nach dem Fertigstellen des Manuskripts. Verlage haben nun mal aus verschiedenen Gründen sehr lange Vorlaufzeiten, im Jugendbuchbereich vergeht manchmal über ein Jahr von Abgabe bis Erscheinen des Buches. Wenn ich also ein Buch in der Hand halte, ist das Projekt für mich schon in den Hintergrund gerückt, weil ich schon am nächsten Buch schreibe und mich vollkommen darauf konzentriere.

Ich: So und jetzt noch ein paar Fragen zu Ihrer Persönlichkeit: Was machen Sie außer dem Schreiben sonst noch?
Kathleen Weise: Vermutlich all die Dinge, die alle anderen Leute auch machen, ich kümmer mich um mein Sozialleben und muss meine Wohnung putzen. Wenn ich Zeit dafür finde, arbeite ich gern grafisch bzw. male, das ist meine zweite Leidenschaft nach dem Schreiben, allerdings wird das immer ein Hobby bleiben. Ich versuche, mich mit möglichst vielen Dingen zu beschäftigen, also viel zu lesen (Zeitung etc.), weil das natürlich beim Schreiben hilft, aber für mich gilt weitesgehend der alte Spruch: Mein Beruf ist auch mein Hobby.

Ich: Wie sind Sie zum Lesen gekommen und was war Ihr erstes Buch?
Kathleen Weise: Das war bei mir ganz klassisch und passt total in die Statistik: Meine Eltern haben mir vorgelesen und irgendwann habe ich selbst gelesen. An mein erstes Buch kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber an mein erstes "Lieblingsbuch". Es hieß "Felix und Amanda".
Später habe ich dann die Buchreihe von Alexander Wolkow verschlungen [Hand hoch, wer diese Bücher kennt! ;-)].
Und mit 12 Jahren bin ich dann auf die "Angelique"-Reihe von Anne Golon gestoßen, die – kein Witz – mein Leben dahingehend verändert hat, dass ich nicht nur ziemlich viel über die menschliche Psyche daraus gelernt habe, sondern nach der Lektüre dieser Bücher auch beschlossen habe, Schriftstellerin zu werden.
Auch heute verteidige ich diese Reihe noch mit Zähnen und Klauen, wenn jemand behauptet, das wären doch nur romantische Historienschinken gewesen [kein Wunder, nach den Filmen, die es dazu gab]. Diese Bücher, obwohl sie schon so alt sind, haben mehr für das Verständnis der modernen, selbstbewussten Frau getan als alle Chicklit-Romane zusammen.
Wenn es die Frage gäbe, welche Bücher ich retten würde, wenn's bei mir brennt, wäre die Antwort ganz klar: zuerst meine Angelique-Bücher ;-)

Ich: Was sind Ihre momentanen Lieblingsbücher?
Kathleen Weise: Ich bin das, was man einen Autorenleser nennt. Will sagen, ich bleibe einem Autor meistens treu, wenn er mir gefallen hat, daher nenne ich an dieser Stelle lieber Autoren statt Buchtitel. Als da wären: Siri Hustvedt (Belletristik), Banana Yoshimoto (Belletristik), Jürgen Lodemann (historisch), Michael Nava (Krimi), Christopher Rice (Krimi), Terry Moore (Comic) und Patrick Ness (Jugendbuch).

Ich: Beschreiben Sie sich in einem Satz.

Kathleen Weise: Andere behaupten immer, ich wäre unerträglich, wenn ich nicht gut gefüttert bin – und haben damit absolut recht.

Ich: Waren Sie früher gut in der Schule und was waren Ihre Lieblings- und Hassfächer?
Kathleen Weise: Bis zur fünften Klasse war ich sehr gut, dann kamen Chemie und Physik dazu. Danach war ich nur noch eine gute Schülerin ;-) Es dürfte keine Überraschung sein, dass ich in Deutsch gut war, in Mathe dafür katastrophal. Meine Leistungsfächer waren demnach Deutsch und Kunst, zusammengefasst könnte man sagen: Ich war gut in all den Fächern, in denen man labern konnte, und schlecht in allen, in denen man in irgendeiner Form rechnen musste.

Ich: Haben Sie irgendwelche komischen Angewohnheiten?

Kathleen Weise: Nicht so wie Monk, nein.


Ich: Wenn Sie eine Zeitreise übrig hätten, wo würden Sie hinreisen?
Kathleen Weise: Französische Revolution und Europa im 6. Jahrhundert, meine Steckenpferde sozusagen, spannende Zeiten, in denen es Umbrüche gab, die Europa für Jahrhunderte geprägt haben. Ich würde definitiv nicht (!) in meine eigene Vergangenheit reisen – manche Leute sagen das ja so gern: "Ach, wenn ich noch mal in meine Schulzeit könnte, mit dem Wissen von heute ..." Darauf kann ich nur sagen: Nee, besser nicht, dann müsste ich ja noch mal mein Mathe-Abi machen ;-)

Ich: Wollen Sie zum Schluss noch irgendetwas sagen? Kathleen Weise: Oh, wo fange ich denn da an? Das Wichtigste zuerst: Lest Bücher. Lasst euch nicht abschrecken, wenn ein Buch sich auf den ersten Blick als schwierig darstellt oder ihr nicht alles sofort versteht, im Nachhinein sind das oft die besten Texte, weil man mit ihnen als Leser noch arbeiten kann. Anstrengende Bücher können etwas Wunderbares sein.
Wer sich außerdem noch weiter über meine Arbeit und die einiger Kollegen informieren möchte, kann das gern unter 
www.lesehappen.de tun, dort sind auch Leseproben, Wallpaper, Storys, Interviews und vieles mehr zu finden.
Vielen Dank für das Interview und allen Lesern noch einen schönen Sommer!

Ich: Danke für das tolle Interview mit Ihnen.

1 Kommentar:

  1. Tolles Interview! :) "Blutrote Lilien" will ich auf jeden Fall auch noch lesen :D

    AntwortenLöschen

Du bist in diesem Post eingetaucht und willst mir etwas dazu sagen? Dann leg los :)